Siemens Datenverarbeitung


[4] Logo Siemens Halske Die Siemens AG, die 1966 aus einer am 1. Oktober 1847 in Berlin von Werner von Siemens und dem Mechaniker Johann Georg Halske gegründeten Telegrafenbauanstalt Werner von Siemens hervorging, ist Europas größter Elektro- und Elektronikkonzern. Das weltweite Firmenimperium umfasst mehr als 300 größere Tochter-, Beteiligungs-, assoziierte und verbundene Unternehmen. Dazu kommen weitere ca. 450 Firmen. Es würde den Rahmen dieser Website bei weitem sprengen, die Geschichte eines Weltkonzerns mit derart breiten Produktspektrum lückenlos niederzuschreiben. Daher beschränkt sich der Autor auf Entwicklungen, die in umittelbaren Zusammenhang mit der Computertechnik stehen.

Der Einstieg von Siemens in die Datenverarbeitung erfolgte 1954. Anstoß für die Aufnahme des neuen Betätigungsfeldes war wohl die Erkenntnis, dass die Nachrichtenverarbeitung (Datenverarbeitung) auch auf anderen Gebieten der Elektrotechnik Bedeutung erlangen werde. Weiterhin war man bereits seit Jahrzehnten in Bereichen der herkömmlichen Nachrichtenverarbeitung (z.B. Telefonie, Telegrafie) tätig. Es wurde eine Arbeitsgruppe gegründet, die sich mit der Entwicklung von Grundbausteinen der Computertechnologie beschäftigen sollte und richtete auch eine Vertriebsstelle ein. Das Konzept für den zu entwickelnden Rechner enthielt folgende Vorgaben: Das Rechnen sollte auf binärer Basis realisiert werden, als Schaltglieder waren Transistoren vorgegeben. Der Arbeitsspeicher sollte in Magnetkerntechnik mit einem zusätzlichen Trommelspeicher aufgebaut werden. Für die Ein-/Ausgabe standen dem Unternehmen aus dem Telegrafiegeschäft bereits Blattschreiber und Lochstreifengeräte zur Verfügung.

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Siemens System 2002

Siemens 2002 Schon 2 Jahre nach der grundsätzlichen Entscheidung für das neue Geschäftsfeld, also 1956, war ein Prototyp fertiggestellt und ging in den Testbetrieb. Nach erfolgreichem Abschluss der Tests wurde die Serienfertigung vorbereitet. Bald danach konnten die ersten Systeme mit der Typenbezeichnung SIEMENS 2002 ausgeliefert werden. Als erster Kunde gab die Deutsche Forschungsgemeinschaft gleich drei Systeme in Auftrag. Einer der ersten Anwender war die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule in Aachen.
Das legendäre System Siemens 2002 war als Universalrechner für den kommerziellen und technisch-wissenschaftlichen Einsatz konzipiert. Die gesamten Schaltkreise waren im Bausteinprinzip aus steckbaren und mit Transistoren bestückten Baugruppen realisiert. Das System war damit der erste volltransistorisierte Universalrechner, der in Serie hergestellt worden ist. Gemäß Konzeptvorgabe wurde der Arbeitsspeicher in Magnetkerntechnik aufgebaut und in Größen von 2000 bis 10000 Worten (12 Dezimalziffern + Vorzeichen) angeboten. Als Erweiterung diente ein zusätzlicher Trommelspeicher mit 10000 Worten als "Zubringer-Speicher". Die peripheren Geräte waren über 4 parallele Kanäle angeschlossen. Das Peripherieangebot umfasste Lochstreifengeräte, Blattschreiber, Lochkartengeräte, Siemens 2002 Magnetbänder und Schnelldrucker. Ein Teil dieser Peripherie war von Firmen wie IBM, Bull und Ampex zugekauft. Der Betrieb der Anlage wurde vom Betriebssystem ORG 2002 gesteuert. Zur Programmierung konnten die Sprachen PROSA 2002, MAGNUS 2002 und in eingeschränktem Umfang auch ALGOL verwendet werden. Der Rechner SIEMENS 2002 ist bis Mitte 1966 gefertigt und verkauft worden. Im praktischen Einsatz waren die Systeme noch viele Jahre über diesen Zeitpunkt hinaus. So betrug im Herbst 1971 der installierte Bestand immerhin noch 39 Anlagen. Noch während der Fertigungsperiode der 2002 nahm Siemens Mitte 1964 die Produktion des zwischenzeitlich entwickelten Nachfolgemodells 3003 auf. Auch dieses System war ein Universalrechner, sowohl für kommerzielle Anwendungen, als auch für den technisch-wissenschaftlichen Einsatz.

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Siemens System 3003

Die Siemens 3003 wurde ab Ende 1963 ausgeliefert. Dieses Modell war in transistorisierter Schaltkreistechnik aufgebaut. Kernspeichergrößen von 16k bis 65k Zeichen Siemens 3003 waren verfügbar, ein zusätzlicher Trommelspeicher nicht mehr vorgesehen. Als wesentliche Neuerung konnte die 3003 bis zu 9 Programme simultan bearbeiten. Die Anzahl der Ein-/Ausgabekanäle für den Datenaustausch mit der Peripherie war auf 16 erhöht worden. Bis auf wenige Ausnahmen (z.B. Lochkartengeräte) konnte jetzt auch das Peripheriespektrum, welches nunmehr auch Magnetplatten umfasste, aus eigener Fertigung angeboten werden. Das überarbeitete Betriebssystem trug die Bezeichnung ORG 3003. Als Programmiersprachen konnten SAMOS, ALGOL, PROSA, COBOL und LPG verwendet werden. Bis August 1970 ist die 3003 produziert worden. 1971 waren noch 32 Anlagen im praktischen Einsatz installiert. Siemens 3003 Etwa zu dem Zeitpunkt der Produktionsaufnahme der 3003 hatte die IBM ihre Rechnerfamilie System/360 vorgestellt und damit neue Standards gesetzt. Die gesamte DV-Branche geriet in Zugzwang, wenn sie im Wettbewerb noch mithalten wollte. Bei Siemens begann die Zeit der Kooperationen und Firmenübernahmen (Zuse KG, Telefunken Computer GmbH). Man hatte erkannt, dass ein Mithalten mit den amerikanischen Großfirmen, insbesondere der IBM, aus eigener Kraft nicht möglich war. Andererseits wollte man zumindest auf dem heimischen Markt Paroli bieten.

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RCA Spectra 70 Serie

Um kurzfristig technologisch aufrücken zu können, entschloss sich Siemens bereits gegen Ende 1964 zu einer Kooperation mit der amerikanischen Radio Corporation of Amerika (RCA). RCA Spectra 70 Diese war damals in erster Linie ein führendes Unternehmen der Radio- und Fernsehbranche. Die RCA hatte sich aber auch auf dem Gebiet der Datenverarbeitung betätigt und mit großem finanziellen Einsatz eine Familie von leistungsfähigen DV-Systemen entwickelt, die Spectra 70 Serie. (RCA Werbe Dokument von 1965) Die Vereinbarung sah vor, dass Siemens die RCA-Rechner beziehen und in Deutschland unter eigenem Namen vertreiben konnte.

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Siemens System 4004

Siemens 4004 45
Die Systeme sind unter der Bezeichnung Siemens 4004 vermarktet worden. Weiterhin wurde Siemens 4004 55 Stabua aber auch der Nachbau von RCA-Rechnern zugestanden. Daher wurden zügig eigene Fertigungskapazitäten aufgebaut. Dabei konnte man auf die Erfahrungen mit den Rechnern 2002 und 3003, aber insbesondere auch das Know-how von RCA zurückgreifen. Aus eigener Fertigung wurde z.B. ab Herbst 1968 der Rechner 4004/45 ausgeliefert. Die Arbeitsspeichergröße konnte von 32kB auf 512kB ausgebaut werden. Bis zu 14 unabhängige Programme waren im Simultanbetrieb ablauffähig. Die Programme konnten in den Sprachen Assembler, COBOL, ALGOL, FORTRAN und LPG entwickelt werden. Als Ein-/Ausgabegeräte verfügte man inzwischen auch über eine Anzahl von Produkten aus eigener Fertigung. Siemens entwickelte für die 4004-Systeme ein Plattenbetriebssystem (PBS). Dieses System, das auch die Grundlage für das spätere BS1000 darstellte, wurde ab 1968 einschließlich der laufenden Erweiterungen als Gegenleistung auch an die RCA geliefert.

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Die Zusammenarbeit mit RCA war für Siemens von Beginn an sehr erfolgreich. Man war konkurrenzfähig geworden und konnte mit Rechnern abgestufter Leistungsfähigkeit Siemens 4004-45 in Bereichen akquirieren, die vorher mit den Systemen 2002 und 3003 verschlossen waren. Schon im ersten Jahr stieg der DV-bezogene Auftragseingang von vorher 30 Mio. DM auf 100 Mio. DM. Der Vertrieb wurde nach und nach auch erfolgreich auf das europäische Ausland (z.B. Holland, Belgien, Italien, Österreich und Schweden) ausgedehnt. Das wesentliche Ziel, mit dem neuen Geschäftszweig Gewinne zu erwirtschaften, konnte jedoch nicht erreicht werden. An diesem Mangel litt allerdings nahezu die gesamte DV-Branche, u.a. weil für die Entwicklung immense Summen aufgebracht werden mussten. Andererseits gab aber der Marktführer die Preise vor. Siemens 4004-150 Im Herbst 1971 zog die RCA angesichts steigender Verluste die Konsequenzen und gab das Geschäftsfeld Datenverarbeitung auf. Für Siemens wäre es damit auch naheliegend gewesen, sich ebenfalls aus dem DV-Geschäft, das inzwischen ein Umsatzvolumen von 1 Mrd. DM erreicht hatte, zurückzuziehen. Aus verschiedenen Gründen wurde dieser Schritt jedoch nicht vollzogen. So stand man z.B. bei rd. 60 Großkunden (Industrieunternehmen, Banken, Behörden), die mit DV-Systemen beliefert worden waren, im Wort. Weiterhin hatte der Bereich Datenverarbeitung inzwischen auch für andere Geschäftsfelder die erwartete Bedeutung erlangt und es war abzusehen, dass sich dieser Effekt noch verstärkt fortsetzen werde. Dies traf z.B. für die Prozesstechnik zu, für die ein eigenes spezielles Rechnersystem 300 entwickelt worden war, das erfolgreich vermarktet wurde. Auch für die Telefonvermittlungstechnik und viele andere Felder waren ebenfalls Synergieeffekte zu erwarten. Also führte Siemens den Geschäftsbereich eigenständig weiter. Aus dieser Zeit stammten z.B. die Rechner 4004/150 und 4004/151, die auch in einigen KDN-Rechenzentren eingesetzt worden sind. Diese Systeme waren durch eine deutliche Leistungssteigerung gekennzeichnet. Der Arbeitsspeicher konnte z.B. bis zu 2 MB ausgebaut werden.

Zu dieser Zeit wurden diverse 4004 Rechner von Siemens zum Verkauf angeboten. Hier eine Systembeschreibung des "Datenverarbeitungssystem" 4004 von der Siemens Zweigniederlassung Stuttgart als PDF Datei. Ist 4004-15, wird erweitert bis zur 4004-55 plus Beschreibung der 4004 Peripherie !

Fa. Gebr. Faller

Siemens-System 4004 Werbekampagne 1969

Im Jahr 1969 startete Siemens eine Werbekampagne für das "Siemens-System 4004" in den größten deutschen Zeitungen. In der "Süddeutschen Zeitung" und in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" wurden Halbseitige Anzeigen zum Thema "Siemens-System 4004" geschaltet. Es wurde mit Kunden Erfolgsstories für das "Siemens-System 4004" geworben.


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Das System 4004 und die Filmindustrie

Aufsehen erregte das EDV-System 4004 in einigen Spielfilmen
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Das Siemens System 4004 und das MfS

[1] 1969 kaufte die Stasi Computer für 23 Millionen D-Mark

Bei der Erfassung und Auswertung von Spionage-Informationen bediente sich das Ministerium für Staatssicherheit der DDR schon früh auch modernster Computertechnik aus dem Westen.

Siemens 4004 beim MfS Erfurt. Die Anschaffung von drei Großrechnern vom Typ "Siemens 4004" im Jahr 1969 durch das MfS habe bereits den Startschuss für die systematische EDV-Anwendung im MfS gegeben, sagt Stephan Konopatzky, Sachgebietsleiter für die Erschließung elektronischer Datenträger beim Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen in Berlin.

Zudem verfügte die Stasi laut Stephan Konopatzky zu dieser Zeit bereits über einen Großrechner des französischen Herstellers General Electric Bull, der ab 1969 unter anderem "für das Eindringen in das postalische Verbindungssystem imperialistischer Geheimdienste" genutzt worden sei.

Erworben wurden die Siemens-Computer seinerzeit allerdings nicht im Namen des Mielke-Geheimdienstes, sondern offiziell für das Ministerium für Wissenschaft und Technik. Preis: 23 Millionen D-Mark.

Zusammen mit einer Datenbanksoftware namens "Golem", ebenfalls von Siemens, verfügte die Stasi damit seit den 70er-Jahren über ein Erfassungssystem, das heutigen Datenbanken mit Such- und Statistikfunktionen schon sehr ähnlich war, erläutert der gelernte Nachrichtentechniker Stephan Konopatzky. Eingegeben wurden die Daten zunächst mit Lochstreifen, die Rechner speicherten auf Magnetkarten, Platten und Bändern.

In dieses SIRA-System (System zur Informationsrecherche der HVA) wurden ab 1969 viele Erkenntnisse der Auslands- und Westspionageeinsätze eingespeist. 1989 belief sich der so in mehreren Teildatenbanken angehäufte Datenbestand auf mehr als 650.000 Datensätze.

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 MfS Über die Nutzung der Daten durch die Stasi selbst ist nur wenig bekannt. Die gespeicherten Vorgänge hätten vor allem dazu gedient, Tätigkeit und Informationen der Agenten zu benoten, sagt Stephan Konopatzky. "Da gab es einen richtigen sozialistischen Wettbewerb unter den Spionen und ihren Führungsoffizieren", so der BStU-Experte.

Daneben fand der 49-Jährige aber auch Hinweise, denen zufolge stasi-intern immer wieder bemängelt wurde, dass man zwar mit großem Aufwand Daten erfasste, diese aber viel zu wenig angewendet würden.

Trotz mehrfacher Vernichtungsversuche während der Auflösung des MfS nach 1989 blieben bedeutsame Teile erhalten und konnten in den zurückliegenden Jahren vom BStU entschlüsselt werden.

Inzwischen dient SIRA vor allem der Aufarbeitung der Geschichte des DDR-Spitzeldienstes. Mithilfe der 2003 vom CIA an die Bundesrepublik zurückgegebenen Rosenholz-Kartei lassen sich so beispielsweise in SIRA gespeicherte Vorgänge konkreten IM- oder Agentennamen zuordnen.

Unter anderem finden sich zur Spionagetätigkeit des 1974 enttarnten Agenten-Ehepaars Günter und Christel Guillaume viele Angaben und Bewertungen, die nach Ansicht von Stephan Konopatzky eine völlig neue Perspektive auf das damalige Geschehen ermöglichen.

Mit rund 216.000 Datensätzen machen Erkenntnisse aus der Industriespionage ein Drittel des erhaltenen SIRA-Bestandes aus. Ersichtlich sei daraus beispielsweise der Diebstahl von Quelltexten für IBM-Betriebssysteme, mit denen der Ostblock eigene Computertechnik entwickeln konnte.

Neben der Informationsbeschaffung habe die Musterbeschaffung eine große Rolle gespielt, sagt Stephan Konopatzky. Viele Spione handelten im Auftrag von Ostbetrieben.


Siemens 4004 und der MfS auf den Internetseiten des BStU

"Ab dem Jahr 1969 bemühte man sich im MfS verstärkt um den Einsatz der elektronischen Datenverarbeitung. Besonderen Ausdruck erhielten diese Anstrengungen mit der Bildung der Arbeitsgruppe XIII im Juni 1969 (ab 1972 Abteilung XIII), die von nun an für den zentralen EDV-Einsatz im MfS zuständig war. Mit der Bildung dieser Arbeitsgruppe begann auch der Aufbau eines eigenen zentralen Rechenzentrums des MfS in Berlin Wuhlheide. Für die Ausstattung des neuen Rechenzentrums wurden, neben der bereits vorhandenen Technik, drei leistungsfähige Großrechner der Firma Siemens beschafft (System 4004)"

Weiter Imformationen siehe unter "Geschichte der elektronischen Datenverarbeitung im MfS" von der Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik.

Die Behörde des Bundesbeauftragten (BStU) bewahrt in ihren Archiven die 1990 sichergestellten Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR auf. Dabei handelt es sich um mehr als 111 Kilometer Aktenmaterial und mehr als 1,7 Millionen Fotos. Der BStU stellt sie nach den gesetzlichen Vorschriften des Stasi-Unterlagen-Gesetzes (StUG) Privatpersonen, Institutionen und der Öffentlichkeit zur Verfügung

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Das System 4004 und die Philosophie

"Golem melkt"

Wenn Philosophen etwas nicht wissen [0] Wenn Philosophen etwas nicht wissen -- eine 4004 weiß es." Mit dieser Behauptung beschriftete die Firma Siemens AG Anfang Mai zwei mehr als halbseitige Anzeigen in der "Süddeutschen" und der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung": Werbung für Ihren Computer "Golem 4004" und für das Philosophische Institut der Universität Düsseldorf, das ihn benutzt. Der Elektro-Konzern bezahlte nicht nur die Anzeigen; bis zum 9. Oktober überließ er den Philosophen auch seinen Elektronenrechner (normale Stundenmiete: etwa 1200 Mark), dessen aufwendige Programmierung bisher allein eine sechsstellige Summe gekostet hätte, zu unbezahlter Mitarbeit.

Das frappierende Mäzenatentum galt einer Konsumanregung: Während jeder vierte Computer in der Bundesrepublik für die Metallindustrie arbeitet, leisten sich die Wissenschaften nur jeden zwölften. Siemens-Manager, auf der Suche nach einem Testfeld, wählten die Philosophie ihrer Schwierigkeit wegen: Mangels einer genormten Sprache setzt dies Fach der Programmierung ungewöhnliche Hindernisse entgegen; Golem 4004 sollte zeigen, daß er sogar damit fertig wird.
Golem 4004
Die Düsseldorfer Philosophen ihrerseits wollten nicht etwa das Denken an eine Denkmaschine delegieren. Beunruhigt davon, daß schier unübersehbare Mengen von Aufsätzen und Büchern über philosophische Themen vergessen in Bibliotheken lagern, faßte Professor Alwin Diemer, Leiter des Philosophischen Instituts, den Entschluß, erstmals eine vollständige Bibliographie dieser Literatur herzustellen.

Seit Anfang 1967 arbeitet die Dokumentationsabteilung seines Instituts unter dem Universitätsassistenten Dr. Norbert Henrichs. Finanziert teils von der Universität, teils vom Frankfurter "Institut für Dokumentationswesen", unterstützen Henrichs heute zwei wissenschaftliche Mitarbeiter und zwei Hilfskräfte dabei, zunächst alle Aufsätze in philosophischen Zeitschriften zu katalogisieren; Umfang des nur sporadisch erschlossenen Materials: etwa zehn Millionen Druckseiten. Der erste Band erschien im letzten Jahr [*].

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Im Unterschied zu herkömmlichen Bibliographien, die sich darauf beschränken, Autoren und die Titel ihrer Werke aufzuführen, wollten Diemer und Henrichs von vornherein auch den mutmaßlichen Inhalt der Werke speichern.

Die Düsseldorfer Dokumentaristen hüten sich freilich, zu diesem Zweck ein fertiges Netz von Begriffen rasterähnlich über die Schriften zu legen, um so jeglichen Inhalt auf wenige, immer wiederkehrende Grundbegriffe zu reduzieren. Sie benutzen vielmehr ausschließlich die Wörter der Autoren; jedem Aufsatz werden zehn bis 20 solcher Stichworte -- zuweilen auch ein Mehrfaches davon -- entnommen und überdies in ihrer gegenseitigen Zuordnung durch Zahlen gekennzeichnet. Ziel dieses Verfahrens Ist es, den Gedankengang durchscheinen zu lassen. Henrichs: "Wir haben das einzige System ohne vorgängige Klassifikation und genormten Wortschatz."

So ist denn der Aufwand ebenso enorm wie monoton. Ein Mitarbeiter bereitet pro Woche etwa einen Jahrgang einer philosophischen Zeitschrift für die Programmierung vor (Betroffenen-Jargon: "Zeitschriften melken"); drei Zeitschriften mit insgesamt 100 Bänden sind inzwischen erfaßt. Das mag, gemessen an den etwa 300 heute in aller Welt erscheinenden philosophischen Zeitschriften, ein Hundertstel sein; verglichen mit den seit Mitte des 18. Jahrhunderts bekannten etwa 2000 Zeitschriften ist es nur ein winziger Bruchteil. Die Zahl philosophischer Bücher übertrifft außerdem die der Zeitschriftenbände bei weitem, und diese Bücher machen neue Überlegungen zur Methode notwendig.

Den wissenschaftlichen Mitarbeitern wird die Möglichkeit zur Habilitation In Aussicht gestellt. Ein Zusammenhang mit ihrer Arbeit, bei der es sich laut Diemer "nicht um Philosophieren selbst handelt", wird dabei allerdings kaum sichtbar. Gleichwohl könnte diese Arbeit dereinst unerwartete Konsequenzen für das Philosophieren haben.

Bei Vorliegen von 2000 Index-Bänden der philosophischen Zeitschriften nämlich müßten zukünftige Autoren zum Beispiel für einen Aufsatz, der die gesamte einschlägige Literatur berücksichtigen wollte, selbst dann jahrelange Lektüre in Kauf nehmen, wenn sie die nötigen Hinweise von einer zentralen Datenbank abrufen könnten. Die Produktion philosophischer Werke würde rapide schrumpfen. Henrichs träumt gelegentlich schon von kritischen Düsseldorfer Blättern, die dem nachhelfen und voreilige Autoren mangelnder Belesenheit überführen könnten.

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Der Düsseldorfer Wortspeicher ist weder der erste noch der einzige Versuch, auf dem Gebiet der Philosophie mit Hilfe der Elektronik die enzyklopädische Sammlerwut des 19. Jahrhunderts zu perfektionieren. Mitte der fünfziger Jahre schon hatte der italienische Jesuitenpater Roberto Busa damit angefangen, das reiche Schrifttum des Thomas von Aquin Wort für Wort auf Lochkarten aufzuzeichnen (SPIEGEL 14/1957): als Mittel für die Schaffung eines lateinischen Spracharchivs.

Um 1960 begann der Direktor des Bonner Philosophischen Seminars, Professor Gottfried Martin, mit den Vorarbeiten zu einem Allgemeinen Kant-Index. Gestützt auf die von der Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin seit 1902 veranstaltete und inzwischen mühsam auf 24 Bände angewachsene Werkausgabe des Königsberger Philosophen (voriges Jahr erschienen die seit langem vergriffenen Um 1960 begann der Direktor des Bonner Philosophischen Seminars, Professor Gottfried Martin, mit den Vorarbeiten zu einem Allgemeinen Kant-Index. Gestützt auf die von der Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin seit 1902 veranstaltete und inzwischen mühsam auf 24 Bände angewachsene Werkausgabe des Königsberger Philosophen (voriges Jahr erschienen die seit langem vergriffenen ersten neun Bände in einer Studienausgabe) [**] , wurde jedes einzelne Kant-Wort mit einem Hinweis auf seinen Fundort von einem IBM-Computer 7090 des Bonner Universitäts-Rechenzentrums gespeichert. 1965. zum 2. Internationalen Kant-Kongreß. lagen die vollständigen Verzeichnisse für den internen Gebrauch vor.

Zur Veröffentlichung wird das unhandliche Wörterbuch allerdings einer Revision unterzogen: Wörter wie "der", "und", "aber" (das im ersten Band 445mal erscheint) werden ohne Stellenangaben mit einem Hinweis auf ihre Häufigkeit abgedruckt. Zwei Bände dieser erweiterten Version liegen vor [***] ; das durch Geldmangel teilweise auf ehrenamtliche Mitarbeit angewiesene Team bereitet inzwischen auch einen Leibniz-Index vor.

Obwohl Bonner und Düsseldorfer Philosophen mit Speicher-Problemen kämpfen, arbeiten sie nicht zusammen. Selbst auf dem ohnehin enttäuschend "sterilen IX. Deutschen Kongreß für Philosophie in Düsseldorf vor zwei Wochen wurden die wissenschaftstheoretischen und -politischen Konsequenzen der elektronischen Dokumentation nicht diskutiert.

Die Fronten sind seit langem klar: Halten die Bonner Henrichs vor, bei der Auswahl der Stichworte subjektive Vormeinungen nicht ausschalten zu können, so kontert er, die Bonner Speicherung müsse zu "ungeheurem Informationsballast" führen. Das eben befürchtet er für seine Methode nicht; der in Düsseldorf erzeugte Informationsdruck, so meint er schadenfroh und reichlich optimistisch, "mag zum "Tod" mancher "Philosophen" führen, nicht aber zum Tod der Philosophie, im Gegenteil".

[*]     Philosophische Dokumentation 1, Band 1. Gesamtregister zur Zeitschrift für philosophische Forschung 1-21 (1946-1967);
         Herausgeber: Alwin Diemer. Verlag Anton Hain. Meisenheim; 620 Seiten; 56 Mark.
[**]   Kants Weke Akademie Textausgabe I bis IX. De Gruyter, Berlin; 4370 Seiten; 88,20 Mark
[***] Wortindex zu Kants gesammelten Schriften. Bde. 16 und 17 De Gruyter, Berlin; 1672 Seiten; 200 Mark


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Transdata 960

Große Anstrengungen wurden auch zur Fortentwicklung der Datenfernverarbeitung unternommen. Der erste TRANSDATA-Rechner der Serie 960 mit dem Betriebssystem PDN stand 1974 zur Verfügung. Doch bei guten Umsätzen wurden weiterhin rote Zahlen geschrieben. Die technische Weiterentwicklung verschlang 15-20% des Umsatzes und bei der Preisbildung setzte der Markt enge Grenzen. Mit diesem Problem hatten aber auch viele andere Computerunternehmen, vornehmlich im europäischen Raum, zu kämpfen. Anfang der 70er Jahre gründeten daher die französische Compagnie Internationale pour Informatique (CII), die holländische Philips und die Siemens AG die UNIDATA.

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System UNIDATA 7.700

Unidata
Man definierte gemeinsam eine Systemfamilie von untereinander kompatiblen Rechnern mit einer breiten Leistungsskala von 60 bis 1.500 kOps. Siemens 7.770 Übersicht Sie sollte unter einheitlicher Bezeichnung vermarktet werden. Die Entwicklungsarbeit teilten die Unternehmen unter sich auf. Siemens erhielt z.B. die Entwicklung und Fabrikation der Systeme 7.730 und 7.750 im kleineren bis mittleren Leistungsbereich. Es zeigte sich aber bald, dass die Zusammenarbeit zwischen den Partnern nicht so reibungslos funktionierte, wie dies erhofft worden war. Eher war sie von gegenseitigem Misstrauen geprägt. Kompromisse waren an der Tagesordnung, was zu allseitiger Verärgerung führte. Es fehlte an der gebotenen Identifikation mit den vereinbarten Gemeinschaftsprojekten und mancher räumte seinen Eigenentwicklungen weiterhin Vorrang ein. Die Zusammenarbeit endete dann auch bevor sie Früchte tragen konnte, als auf Beschluss der französischen Siemens 7.700 Übersicht Siemens 7.500 Übersicht Regierung das gesamte inländische DV-Potenzial Frankreichs in der neu zu gründenden Gesellschaft CII-Honeywell-Bull konzentriert wurde. Die CII mußte also aus dem UNIDATA-Verbund ausscheiden. Damit war der Versuch, die Entwicklungskosten auf mehrere Schultern zu verteilen, gescheitert. Da Siemens das DV-Geschäft aber fortführen wollte, musste die in der UNIDATA-Zeit definierte Systemfamilie in eigener Verantwortung und auf eigene Kosten entwickelt und produziert werden. Dies gelang aber in erstaunlich kurzer Zeit. Zum Angebot zählten bald auch die beiden großen Systeme 7.760 und 7.770, für die ursprünglich nach der UNIDATA-Vereinbarung die CII allein zuständig gewesen war.

"Siemens System 7.700 Übersicht" Prospekt von ca. 1976
"Siemens System 7.500 / 7.700 Übersicht" Prospekt von ca. 1979

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Draußen vor der Tür

[2] Spiegel 14.07.1975 Amerikas Computer-Riese IBM hat einen Gegner weniger: Die europäische Unidata hat kaum noch Markt-Chancen. Die entscheidende Schlacht im Rahmen des industriellen Krieges", prophezeite vor acht Jahren der französische Publizist Jean-Jacques Servan-Schreiber in seinem Bestseller "Die amerikanische Herausforderung", "wird um die Computer geschlagen. Noch ist sie nicht verloren."

Viel fehlt nicht mehr. Denn nachdem Paris unlängst seinem Rechner-Konzern Compagnie Internationale pour l"Informatique (CII) die Fusion mit der amerikanisch beherrschten Honeywell-Bull befahl, ist die Schlachtordnung durcheinandergeraten. Der einst mit Pathos und Publizität gegründete europäische Computer-Verbund Unidata aus Siemens, Philips und CII, der den amerikanischen Riesen IBM herausfordern sollte, ist fast zur Papierfirma degeneriert.

Nur noch müde Skepsis haben die Siemens-Bosse für die Beteuerungen der Franzosen übrig, sie würden dem Dreierklub auch nach der Liaison mit Honeywell-Bull treu bleiben. Insgeheim bereiten sich die Münchner längst darauf vor, den CII-Part und damit in der Rest-Unidata endgültig die Macht zu übernehmen und zusammen mit Philips gegen die Amerikaner anzutreten. Friedrich Ohmann, Chef der Siemens-Sparte Datentechnik, rechnet sich aus: "Wir haben ein gutes Vertriebssystem, vor dem auch IBM Achtung hat."

Kein anderer Industriezweig wird weltweit so eindeutig von einer einzigen Firma beherrscht wie das Computer-Geschäft von IBM. In mehr als 120 Ländern durch eigene Tochterfirmen präsent, setzt der gerade wieder in ein Antitrust-Verfahren verstrickte Computer-Gigant mehr um als alle Konkurrenten zusammen -- 29 Milliarden Mark. Während Weltkonzerne wie General Electric, AEG-Telefunken und RCA Corporation entmutigt aus dem für sie verlustreichen Geschäft mit kommerziellen Rechnern ausstiegen, verteidigte IBM seinen Marktanteil von etwa 60 Prozent.

Die Kapitulation der RCA-Bosse hatte nicht zuletzt für Siemens schwerwiegende Folgen. Denn die Münchner hatten ihre Computer-Entwicklung in enger Kooperation mit den Amerikanern aufgebaut und mussten sich unversehens nach einem neuen Partner umsehen. Sie fanden ihn in der französischen CII. die durch horrende Verluste ihres Alleingangs müde geworden war.

Das nationale Prestigeunternehmen CII hatte Staatspräsident Charles de Gaulle 1966 gründen lassen, als ihm die Amerikaner die Lieferung von Großrechnern der Firma Control Data für die französische Nuklear-Streitmacht "Force de Frappe" verweigerten. Doch die fast ausschließlich von Staatsaufträgen lebende Pariser Computer-Konkurrenz kümmerte dahin. Um ihr Prestigeprojekt über Wasser zu halten, mussten die ehrgeizigen Industrie-Politiker laufend neues Geld nachschießen.
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Durch ein Zusammengehen mit Siemens und wenig später auch mit Philips im Unidata-Verbund hofften die Franzosen, ihre Fabriken in Toulouse endlich durch neue Aufträge aus dem Ausland auszulasten. Bei der nach Siemens-Systemen konzipierten Modellreihe 7000 übernahmen die Franzosen die beiden großen, Siemens die drei mittleren Rechner. Philips baut die kleinste Ausführung des Universal-Rechners. Argwöhnisch registrierten die regierenden Gaullisten, dass ihr schwächlicher Computer-Produzent gegen Siemens wenig zu bestellen hatte. Schnell nämlich wurde Kennern klar, daß die Großmodelle der CII kaum gefragt sein würden. Genüsslich kolportierten französische Zeitungen das Wort von der "Teutonisierung" der nationalen Computer-Industrie.

Bereits im letzten Herbst plante deshalb Industrieminister d'Ornano, seine CII durch eine Liaison mit Honeywell-Bull zu kräftigen. Dem zu 66 Prozent von den Amerikanern beherrschten Firmenverbund kam der Plan gerade recht. Um sich als nationaler französischer Computer-Konzern höchster Protektion erfreuen zu können, war Honeywell-Präsident Edson Spencer sogar bereit, den Franzosen die Majorität an der geplanten Fusionsgesellschaft zu überlassen. Die durch den Pariser Partnerwechsel schockierten CII-Partner in der Unidata beruhigte Minister d'Ornano mit der Versicherung, der neue Konzern werde auch weiterhin alle Bündnisverpflichtungen erfüllen.

Im Wort sind die Franzosen mit der Lieferung ihrer Modelle 7760 und 7770, vor allem aber mit der Zusage, über das französische Unidata-Vertriebssystem ausschließlich das gemeinsame Typenprogramm 7000 anzubieten. In die Fusion mit CII aber bringt Honeywell-Bull seine Modellreihe 60 ein, die mit den Unidata-Anlagen technisch nicht zu kombinieren ist.

Das in Paris gestreute Gerücht, Siemens werde die Honeywell-Mitgift akzeptieren und die Amerikaner stillschweigend in die Unidata aufnehmen, mochten die Deutschen nicht unwidersprochen lassen. In einem Kommuniqués ließen sie wissen, daß "die Unidata-Produktfamilie wie bisher in Konkurrenz zu den verschiedenen Produktlinien von Honeywell vertrieben wird".

Noch schweigen sich die Pariser EDV-Planificateure darüber aus, wie sie sich ihre Vertragstreue vorstellen. Und auch Siemens-Manager Ohmann wiegelt ab: "Es wird keine Prozesse und keine Konventionalstrafen geben. Auch wenn es noch ein paar Milliarden an Subventionen kosten sollte", würden die Franzosen ihre Verpflichtungen formal erfüllen. Zur Not werde sich Siemens mit der Lieferung von Prototypen zufrieden geben, die dann in Augsburg nachgebaut würden.

Ihrer Anziehungskraft sind sich die Münchner durchaus bewusst, trotz der stattlichen Verluste von jährlich fast 200 Millionen Mark im EDV-Geschäft: "Wir lassen uns", beteuert Ohmann, "durch die Vorgänge in Frankreich nicht beirren; eines Tages stehen die Franzosen wieder vor der Tür."

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Siemens übernimmt Unidata-Vertrieb

[3] Nach dem Auszug von Philips und der französischen Compagnie Internationale pour l'Informatique (CII) aus dem europäischen Computer-Dreibund Unidata wird Siemens mindestens fünf der sechs zur Unidata-Rechnerfamilie zählenden Typen selbst bauen und vertreiben. Das größte Gemeinschaftsmodell, den von CII entwickelte 7770, wollen die Franzosen dagegen für Siemens bauen. Gewinn versprechen sich die Deutschen auch von einer Übernahme der ausländischen Unidata-Vertriebsgesellschaften.


System 7.500

Siemens 7.7571
Siemens 7.536 Nach der Trennung von Philips und CII wurden die Logos der EDV Geräte ausgetauscht und die aufwändigen Bemühungen einer Europaweiten Cooperation begraben. Aus der UNIDATA 7.770 wurde die 7.570 usw. Neue Computer Linien wurden entwickelt. Unter der Entwicklungsbezeichnung P1 (Iltis) kamen die Rechner 7.531 - 7.551 auf Siemens 7.531 den Markt die das unter Leistungssegment abdeckten. Mit der Entwicklungsbezeichnung P3 (Tiger) wurden im höheren Leistungssegment die Rechner 7.570, 7.571 und 7.580 auf den Markt gebracht. In verschiedenen Leistungsvarianten wurden diese von Siemens entwickelten Rechner in den achziger Jahren vertrieben. Als Bürocomputer in Schreibtischform kam die 7.531 auf den Markt und hatte als Komplettsystem mit der Anwendungssoftware "Sieline" einen großen Erfolg im Mittelstand.

Siemens 7.7590
Durch Großkunden wie die Dt.Bank wurde im BS2000 Umfeld mehr Leistung gefordert. Da dieses durch Eigenentwicklung nicht machbar war, entschloss man sich 1986 Siemens 7.7590 die 390 Architektur ins BS2000 zu implementieren und konnte so die Großrechner von Fujitsu unter BS2000 betreiben. Der erste Rechner von Fujitsu war dann die 7.590 die von Fujitsu mit dem Namen M780 vertrieben wurde. Das Leistungsfähigste Model war die 7.590-R mit 50 Mips die bei vielen Großkunden zum Einsatz kam. Parallel entwickelte man weiter an Nachfolgesysteme mit der Bezeichnung 7.560 / 7.580 und später unter den Namen H60 / H90 1990 von Siemens vertrieben wurden.

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60 Jahre deutsche Wirtschaftsgeschichte Nixdorf – Tödlicher Kulturschock

[5] Am 1. Oktober 1990 übernimmt der übermächtige Siemens-Konzens den Computerpionier Nixdorf. Doch der Zukauf wird kein Erfolg - weil Siemens die Fähigkeiten des Partners verkennt.

Während über die Wiedervereinigung und ihre Folgen bis heute heftig diskutiert wird, redet über den Abschied von Nixdorf schon lange niemand mehr. Quelle: Matzenbacher
MÜNCHEN. Der 23. August 1990 ist ein Tag großer Entscheidungen. In den frühen Morgenstunden stimmen die Abgeordneten der DDR-Volkskammer mit überwältigender Mehrheit für den Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland. Um 2.47 Uhr gibt Volkskammer-Präsidentin Sabine Bergmann-Pohl in Berlin die historische Entscheidung bekannt. Nur wenige Stunden später machen die Aktionäre der Nixdorf in Paderborn den Weg frei für die Übernahme durch den übermächtigen Siemens-Konzern - die am 1. Oktober offiziell vollzogen wird. DAX-Explosion in Kürze

Auf den ersten Blick haben die beiden Ereignisse nichts miteinander zu tun. Im einen Fall schließt sich ein Staat einem anderen an. Fujitsu Siemens Nixdorf Logo Ein Ereignis, das die Menschen auf der ganzen Welt bewegt. Im zweiten Fall übernimmt eine Firma eine andere. Eigentlich eine Alltäglichkeit. Und doch gibt es Parallelen. Denn in beiden Fällen treffen durch den Zusammenschluss zwei völlig unterschiedliche Welten aufeinander. Und sie bedeuten jeweils eine tiefe Zäsur für alle Betroffenen.

Doch während über die Wiedervereinigung und ihre Folgen bis heute heftig diskutiert wird, redet über den Abschied von Nixdorf schon lange niemand mehr. Dabei ist mit der Übernahme durch Siemens ein spannendes Kapitel deutscher Wirtschaftsgeschichte zu Ende gegangen. Gleichzeitig begann ein turbulenter neuer Abschnitt in der Computerbranche hier zu Lande, der bis heute noch nicht beendet ist.

Doch zurück zu jenem 23. August 1990 und zu Siemens und Nixdorf. In der firmeneigenen Sporthalle am Paderborner Ahornpark treffen sich an diesem Morgen die Nixdorf-Aktionäre zu ihrer letzten Hauptversammlung. Der Ort ist eine Art Kultstätte des 1986 gestorbenen, legendären Unternehmensgründers Heinz Nixdorf. Hier hat der Unternehmer seine berühmten Sportfeste für die Mitarbeiter zelebriert, hier hat sich der charismatische Selfmade-Man mit seinen Leuten verbunden gefühlt.

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Doch für Sentimentalitäten ist an diesem Donnerstag kein Platz mehr. Es geht lediglich darum, die Übernahme durch Siemens abzunicken. Denn das einstige Vorzeigeunternehmen Nixdorf ist zum Sanierungsfall geworden. Zur Kapitulation vor dem Münchener Riesen gibt es zu diesem Zeitpunkt keine Alternative mehr. Die wirtschaftliche Lage ist trostlos. Allein im ersten Halbjahr 1990 ist der Umsatz von Nixdorf um elf Prozent auf 2,1 Milliarden DM gefallen. Es lief ein Verlust von 266 Millionen DM auf.

"Für einen Nischenanbieter ist Nixdorf zu groß und für einen Universalanbieter zu klein", macht Vorstandschef Horst Nasko den Aktionären schnell die aussichtslose Lage klar. Mit katastrophalen Fehlentscheidungen hat das Management in kürzester Zeit ein Unternehmen ins Abseits manövriert, das fast vier Jahrzehnte lang als Synonym für deutsche Informationstechnik stand.

Alles beginnt 1952. Mit einem Startkapital von 30 000 DM, das Nixdorf als Vorauszahlung der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerke (RWE) erhält, gründet er nach abgebrochenem Physik- und Betriebswirtschaftsstudium seine erste Firma namens "Labor für Impulstechnik" in Essen. Dort baut der Tüftler seinen ersten Computer.

Einige Jahre später zieht Nixdorf nach Paderborn und errichtet seine ersten eigenen Werke. In den 70er-Jahren steigt das Unternehmen schließlich zum größten Computerbauer Deutschlands auf und wird Nummer vier in Europa.

Auf dem Höhepunkt des Erfolgs geht Nixdorf 1984 an die Börse und will den mächtigen amerikanischen Konkurrenten wie IBM Paroli bieten. Der Umsatz erreicht inzwischen vier Milliarden DM, die Firma produziert mit ihren mehr als 23 000 Mitarbeitern rund um den Globus, unterhält Werke in Amerika, Spanien und Singapur.

Doch alles kommt anders als geplant. Denn just als Nixdorf zum Siegeszug ansetzen will, verpasst die Firma den Anschluss. PCs lehnt Heinz Nixdorf rundum ab. Die kleinen, standardisierten Produkte sind ihm zuwider. Computer "quick and dirty" zu produzieren, wie die Amerikaner sagen, ist mit ihm nicht zu machen. Stattdessen setzt er weiter auf Rechner, die er seinen Kunden auf den Leib schneidert.

Angesichts der Erfolgsgeschichte des PCs eine verhängnisvolle Fehleinschätzung. "Die haben viel zu stark auf proprietäre Lösungen gesetzt", erinnert sich der IT-Berater Luis Praxmarer, heute Chef des Münchener Consultinghauses Experton Group.
Es war nicht die einzige Fehleinschätzung Nixdorfs. Er fuhr aus Überzeugung im NSU RO 80 mit Wankelmotor. Auch der NSU war technisch eine Sensation. Doch auch ihn wollten die Leute nicht haben.
Als Heinz Nixdorf 1986 auf der Computermesse Cebit in Hannover stirbt, geht es mit dem Unternehmen erst recht bergab. Ohne den Vordenker laufen die Geschäfte schnell aus dem Ruder. "Wir hatten eine Galionsfigur verloren", erinnert sich der Elektrotechniker Winfried Kampe, der 1978 zu Nixdorf gestoßen war.

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Obwohl sich bereits abzeichnete, dass Nixdorf aufs falsche Pferd gesetzt hat, stellt der Konzern Ende der 80er-Jahre weiter massiv Personal ein: 6 000 Mitarbeiter kommen in nur zwei Jahren. Die Kunden satteln derweil zunehmend auf Standardbetriebssysteme wie Unix oder MS/Dos um. Nixdorf hingegen hält unbeirrt an seiner eigenen Software fest. "Um zu wachsen, hätte sich Nixdorf öffnen müssen", ist Experte Praxmarer überzeugt.

Jährliche Zuwachsraten von 20 Prozent sind das Ziel, vernebeln allerdings den Blick auf die Realitäten des Marktes. "Dieser Dynamik fiel letzthin alles zum Opfer, was zwar nicht den Charme eines Konzerns ausmacht, aber immerhin seine Existenz sichert: solide Betriebswirtschaft, Controlling auf allen Ebenen, systematisierter Materialfluss, effektive Logistik", urteilt die "Wirtschaftswoche" zu jener Zeit.

Als klar wird, dass Nixdorf allein nicht überleben kann, stehen die Interessenten Schlange. Vom amerikanischen Telekommunikationskonzern AT&T bis hin zu IBM haben die Großen der IT-Industrie ihre Fühler ausgestreckt. Am Ende kommt es zu jener deutschen Lösung mit Siemens, die von den Politikern bevorzugt wird, um Arbeitsplätze zu bewahren und das Know-how im Lande zu halten.

Am 1. Oktober 1990 ist es schließlich so weit: Die Computersparte des Münchener Technologiekonzerns Siemens und Nixdorf werden zusammengelegt. Für beide Firmen bricht eine neue Epoche an. "Wir haben immer etwas neidisch auf Nixdorf geschaut. Die waren sehr dynamisch und hatten einen charismatischen Macher an der Spitze. Wir dagegen waren eher an der Technologie orientiert", sagt der Informatiker Bertram Halt, der vor der Übernahme von Nixdorf in der IT-Sparte von Siemens gearbeitet hat.

In der Tat: Mit Nixdorf trifft ein flexibles, ganz auf die Kundenwünsche ausgerichtetes Unternehmen auf einen Konzern, der von Innovationen getrieben wird, aber bürokratisch ist. "Der Zusammenschluss war für uns so etwas wie ein Kulturschock", erinnert sich der ehemalige Nixdorf-Mitarbeiter Kampe. Es ist nicht die einzige Schwierigkeit, mit der die neue Siemens Nixdorf Informationssysteme AG (SNI), wie die Firma nun heißt, zu kämpfen hat. Denn die Übernahme kostet Zeit, zu viel Zeit. In der sich rasant wandelnden Computerbranche braucht SNI viel zu lange, um sich intern neu zu organisieren. Da werden Chefposten doppelt besetzt, um niemanden vor den Kopf zu stoßen. Produktlinien werden weiter gefahren, obwohl sie längst verschrottet gehören. "Siemens hat die ganze Firma sehr stark auf Zentralfunktionen ausgerichtet. Als man nach zwei, drei Jahren gesehen hat, dass es so nicht optimal war, schlug das Pendel in die andere Richtung aus", klagt Kampe.

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Nützliche Tugenden von Nixdorf werden dabei von Siemens kaltblütig über Bord geworfen. "Das Kapital von Nixdorf waren die guten Kundenbeziehungen. Das hat Siemens im Rückblick nicht genügend genutzt", sagt Manager Halt. Junge, flexible Wettbewerber wie Dell oder Compaq ziehen an SNI vorbei.

Nur drei Jahre nach dem Zusammenschluss sucht Siemens erneut nach einem Partner. Denn schnell zeigt sich, dass es SNI weltweit allein nicht schaffen würde. Erstmals kommt der japanische Elektronikkonzern Fujitsu ins Gespräch. Die Asiaten beliefern die Münchener schon länger mit Großrechnern. Doch noch kommen die Firmen nicht zusammen, es werden sechs zähe Jahre, ehe es zu dem Zusammenschluss tatsächlich kommt.

SNI entwickelt sich derweil längst nicht so, wie sich das die Konzernlenker am Wittelsbacher Platz vorgestellt hatten. Erst 1995 gelingt der Firma der Sprung über die Gewinnschwelle. Das Management verzettelt sich stattdessen mit verlustträchtigen Beteiligungen wie der am Computerhändler Escom, verpasst es aber, das Kerngeschäft voranzubringen. Die Belegschaft muss bluten und schrumpft von 52 000 auf 38 000 Mitarbeiter.

1998 entschließt sich Siemens schließlich, eng mit dem Taiwaner Computerbauer Acer zusammenzuarbeiten. Die PC-Fertigung in Augsburg soll Acer übernehmen. Gleichzeitig soll der Konzern SNI-Produkte in Asien vertreiben. Doch in letzter Minute scheitert der Deal, weil sich die Unternehmen nicht über die Finanzierung einigen können. Acer geht derweil das Geld aus. Siemens ist nun gezwungen, einen anderen Weg zu gehen. Dabei gliedert der Konzern das Geschäft mit Geldautomaten und Kassensystemen aus. Die Firma geht an Finanzinvestoren und ist heute unter dem Namen Wincor Nixdorf an der Börse. Der erst 1995 geschaffene IT-Dienstleister SBS wird schnell wieder abgespalten und in die Kommunikationssparte von Siemens gesteckt.

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Was dann noch übrig bleibt, findet im Herbst 1999 in Fujitsu den dringend nötigen Partner. Siemens und Fujitsu teilen sich je die Hälfte der Anteile an dem neuen Gemeinschaftsunternehmen. Der Name Nixdorf geht dabei verloren: Die Firma heißt künftig Fujitsu Siemens Computers (FSC). Die Zeit des Leidens für die Mitarbeiter ist aber noch längst nicht vorbei. Wieder müssen die Chefs der Reihe nach gehen, wieder werden Stellen abgebaut, wieder laufen hohe Verluste auf - und wieder wird eine neue Strategie formuliert. Von weltweiten Ansprüchen ist längst nicht mehr die Rede. FSC fokussiert sich ganz auf Europa, Afrika und den Nahen Osten. Im Rest der Welt verkauft Fujitsu die Rechner.

Heute, im Jahr sieben nach der Gründung, muss FSC noch immer ums Überleben kämpfen. Jüngst hat FSC-Chef Bernd Bischoff angekündigt, erneut 300 Stellen zu streichen. Die Firma schreibt inzwischen zwar schwarze Zahlen. Doch gegen große Wettbewerber wie Dell oder Hewlett-Packard tun sich die Bayern nach wie vor schwer. Und so fragen sich viele in der IT-Branche, wie es mit FSC denn weitergehen soll.

In der wechselvollen Geschichte von Siemens, Nixdorf und der deutschen Computerindustrie steht derweil nur eines fest: So wie es jetzt ist, wird es nicht bleiben. "Magere 40 Millionen Euro Gewinn können einen Konzern wie Siemens auf Dauer nicht zufrieden stellen", sagt Berater Praxmarer.

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Hostcomputer / Compaktcomputer

Siemens H90 Die ersten Systeme waren die H60 / H90 / und der kleine Bruder C40 der von Fujitsu bezogen wurde, und der mit integrierter Platten und Bandsystem auf dem Markt kam. H100 ETA Die letzte reine 390 Entwicklung von Siemens war dann die H100 / C80 die 1996 auf dem Markt kam. Da die Entwicklungskosten in keiner Relation zu den verkauften Stückzahlen stand, entschloss man sich aus der Entwicklung von 390 Mainframe Rechner im oberen Leistunssegment zurück zu ziehen. Es wurden dann nur noch Rechner im High End Bereich von Fujitsu eingesetzt. Für den unteren Leistungs Bereich wurde eine Eigenentwicklung auf MIPS basierten Systemen eingesetzt. Das BS2000 wurde auf den MIPS Befehlssatz portiert und auf RM Systemen unter dem Namen SR2000 angeboten. Im leistungshöherem Segment kamen die wassergekühlten Systeme H120 / H130 von Fujitsu zum Einsatz.

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Siemens Joint Venture mit Fujitsu

Fujitsu Siemens Logo Fujitsu Siemens Computers wurde Ende 1999 als Joint Venture zwischen Fujitsu und Siemens gegründet. Beide Mutterkonzerne waren jeweils zu 50 % beteiligt. Siemens brachte in das neue Gemeinschafts-unternehmen das eigene Tochterunternehmen Siemens Nixdorf Informationssysteme AG ein. Dieses wiederum war 1990 entstanden, als Siemens Nixdorf Computer übernommen hatte. Siemens Nixdorf wurde zwischen 1998 und 1999 in kleinere Gesellschaften aufgespalten und teilweise verkauft. Die Computersparte wurde dabei in Fujitsu Siemens eingebracht.

FSC war während seines Bestehens das größte europäische Computerunternehmen und verfügte über mehrere Niederlassungen in ganz Europa, dem Nahen Osten und Afrika. Auf dem asiatischen Markt war FSC nicht aktiv, dort agierte Fujitsu selbst. Dadurch hatte FSC keinen Zugang zu diesem Wachstumsmarkt. In Deutschland wurden Produktion und Entwicklung in München, Augsburg, Paderborn, Bad Homburg und Sömmerda betrieben. Eine Besonderheit waren die in Augsburg eigens entwickelten und gefertigten Hauptplatinen. Das Unternehmen war lange Zeit Marktführer in Deutschland.

Die Produktpalette umfasste Handheld-PCs (PDAs), Tablet-PCs, Computer, Monitore, Notebooks, Server bis hin zu Mainframe-Computersystemen und kompletten IT-Infrastrukturlösungen. Besonderen Wert legte das Unternehmen auch auf das Green IT-Konzept. Das Unternehmen betrieb eine globale Zusammenarbeit mit Fujitsu, bezog u. a. deren UNIX-Serversysteme, die seit 2004 auch von Sun Microsystems angeboten wurden.

Zum 1. April 2006 kaufte FSC die Servicesparte der Siemens Business Services mit ca. 4500 Mitarbeitern. Diese wurde als IT Product Services zunächst rechtlich selbständig in den Konzern integriert, ging allerdings bis April 2007 vollständig in FSC auf.

Von Juli 2004 bis November 2008 war Bernd Bischoff Präsident und CEO von Fujitsu Siemens Computers. Insbesondere ab 2005 begann der Marktanteil von Fujitsu Siemens auch in Deutschland deutlich zu sinken und fiel innerhalb von drei Jahren von fast 19% (2005) auf 11,9% (2008). Zuletzt hatte FSC damit die Marktführerschaft auch in Deutschland verloren und rangierte dort nur noch auf Platz 3, hinter HP und Acer. Insbesondere Management-Fehler wurden für den sinkenden Marktanteil verantwortlich gemacht. Dennoch konnte Fujitsu Siemens auch 2008 einen Gewinn von 105 Millionen Euro ausweisen, was sogar fast 15% mehr als im Vorjahr waren. Ab Ende 2008 übernahm Kai Flore die Geschäftsführung.

Fujitsu Siemens Computers beschäftigte in Europa zuletzt etwa 10.500 Mitarbeiter, 6.000 davon in der Bundesrepublik.

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Systemcomputer / SX / SQ - Computer

S175 Weiter lief das Geschäft mit den Mainframe Systemen für Siemens sehr lukrativ. In dem unterem Leistungssegment wurde die Weiterentwicklung vorangetrieben. Mit der SX100 wurde das BS2000 auf Fujitsu RISC Rechner portiert. Im höheren Leistungssegment kam mit der S120 (1998) die ersten 390 Rechner ohne Wasserkühlung von Fujitsu auf dem Markt. Weiter ging die Entwicklung über die S140 (2002), S155 (2005), S165 (2009), S175 (2011) und dem aktuellen größten BS2000 Rechner der Fujitsu S210 (2012). Im unteren Segment wechselte Fujitsu von der RISC zur Intel X86 Architektur. Die Modularen Syteme SQ100 (2010), SQ200 (2009) und SQ210 (2011) kamen auf den Markt.

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Siemens steigt aus Computer-Sparte aus

04.11.2008 08:08 Uhr Siemens
Siemens verkauft seine Computer-Sparte. - Foto: dpa

[6] "Der Ausstieg des Elektronikkonzerns Siemens beim Computerhersteller Fujitsu Siemens ist unter Dach und Fach. Der bisherige Chef der Sparte tritt im Zuge der Transaktion zurück. In Deutschland werden hunderte Arbeitsplätze wegfallen."


Der japanische Joint-Venture-Partner Fujitsu übernehme die 50-prozentige Beteiligung von Siemens zu einem Kaufpreis von rund 450 Millionen Euro, teilten die Unternehmen am Dienstag in München mit. Zugleich gab Fujitsu-Siemens-Chef Bernd Bischoff den Vorstandsvorsitz "aus persönlichen Gründen" ab, wie es hieß. Sein Nachfolger wurde der derzeitige Finanzchef Kai Flore ernannt. Das Unternehmen ist der letzte bedeutende Computer-Hersteller in Deutschland.

Das Geschäft soll zum 1. April 2009 abgeschlossen werden und steht noch unter Vorbehalt der Zustimmung der Behörden. Über Ausstiegspläne von Siemens war bereits seit Monaten spekuliert worden, nachdem die Dollarschwäche und der scharfe Preisverfall Fujitsu Siemens Computers (FSC) zunehmend zu schaffen machten.

Siemens hatte sich wiederholt unzufrieden mit den Renditen des Unternehmens gezeigt.

Laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sollen in dem Unternehmen mit weltweit gut 10.500 Beschäftigten nun zunächst 1000 Arbeitsplätze abgebaut werden, davon rund 500 in Deutschland. Insgesamt arbeiten mehr als 6000 Menschen für Fujitsu Siemens in Deutschland, das Stammwerk liegt in Augsburg und das zweite Werk in Sömmerda in Thüringen, die Hauptverwaltung befindet sich in München.

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Möglicherweise größerer Stellenabbau

Ein Sprecher von Fujitsu Siemens Computers (FSC) erklärte zu den Spekulationen um einen bevorstehenden Arbeitsplatzabbau: "Wir werden in den nächsten Monaten das Geschäft neu ausrichten. Dabei wird es möglicherweise auch zu Gesprächen über Anpassungen kommen. Bisher gebe es aber keine Entscheidungen. Neben der Finanzkrise und der Abkühlung der Weltwirtschaft kämpfe die IT-Branche mit zusätzlichen Problemen, die eine Neuausrichtung erforderlich machten. " Falls es zu Anpassungen komme, würden entsprechende Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern aufgenommen, sagte der Sprecher. Deutschland bleibe aber weiterhin ein Schlüsselstandort. Dafür spreche auch, dass Fujitsu Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten nach Deutschland verlagern wolle, sagte der Sprecher. "Wichtig ist: Die Zukunft ist gesichert, die Monate der Unsicherheit sind vorbei."

Laut "FAZ" soll das Geschäft mit Notebooks und PCs für Privatkunden, das bisher rund 20 Prozent des Umsatzes ausgemacht habe, eingestellt werden. Fujitsu erwäge, die Sparte Personalcomputer von FSC anschließend an den chinesischen Wettbewerber Lenovo weiterzureichen. Eine FSC-Sprecherin sagte am Dienstag, es gebe dazu "keine Entscheidung".

Meinungsverschiedenheiten mit Löscher

Bischoff werden laut "FAZ"-Bericht Meinungsverschiedenheiten mit Siemens-Chef Peter Löscher nachgesagt. Sein Rückzug habe damit aber nichts zu tun, beteuerte der FSC-Sprecher. "Er zieht sich wirklich zurück ins Privatleben und hat im Moment nicht vor, neue Aufgaben zu übernehmen." Bischoff hatte nach einem schwierigen ersten Quartal bereits die Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr 2007/08 gedämpft. Fujitsu stellt sich angesichts des schwierigen Marktumfelds nun auf einen deutlichen Umsatzrückgang für das Unternehmen um zehn Prozent auf sechs Milliarden Euro ein. Ursprünglich hatte Bischoff noch einen fünfprozentigen Erlösanstieg in Aussicht gestellt. Im Vorjahr hatte Fujitsu Siemens bei Erlösen von 6,6 Milliarden Euro einen Vorsteuergewinn von 105 Millionen Euro erwirtschaftet.

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Fujitsu

Fujitsu Logo Am 4. November 2008 gab die Siemens AG bekannt, dass sie für 450 Mio. Euro ihre Anteile von FSC an Fujitsu verkaufen werde. Die Transaktion wurde schließlich bis zum 1. April 2009 abgeschlossen. Durch den Verkauf der Beteiligung an Fujitsu erzielt Siemens nach Angaben eines Unternehmenssprechers einen Buchgewinn von 310 Millionen Euro. Der Konzern treibt mit der Trennung seine Konzentration auf die Sektoren Industrie, Energie und Gesundheit voran. Wir freuen uns, dass unser Joint-Venture-Partner Fujitsu unsere Beteiligung an Fujitsu Siemens Computers übernimmt und das Unternehmen erfolgreich in die Zukunft führen wird", erklärte Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser. Im Zuge des tiefgreifenden Umbaus hatte Siemens auch die Telefonanlagen-Sparte SEN und den Schnurlostelefon-Hersteller SHC abgegeben. (imo/dpa)

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Die Mainframe Serversysteme und das Betriebssystem BS2000 wird von Fujitsu ab 2009 in Eigenregie weiterentwickelt. Die BS2000 Serversysteme werden unter "Fujitsu" auch in der Zukunft einen sicheren Platz in der Mainframe Welt einnehmen. Zusagen von Fujitsu für die Weiterentwicklung des BS2000 Systems gehen weit über 10 Jahre in die Zukunft. Die aktuelle "SE-Serie" Serverfamilie werden hier bei "Fujitsu Datenverarbeitung SE-Serie" fortgeschrieben.
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[0] Quelle: Spiegel 55/1969 27.10.1969
[1] Quelle: Hanno Müller / 23.05.12 / Thüringer Alllgemeine
[2] Quelle: Spiegel 04.07.1975
[3] Quelle: Spiegel 22.09.1975
[4] Quelle: Johannes Balensiefen, Zweckverband GKD Siegburg, (c) Computermuseum München
[5] Quelle: Joachim Hofer, Handelsblatt 06.10.2006, 12:28 Uhr
[6] Quelle: (imo/dpa), Der Tagesspiegel 04.11.2008 08:08 Uhr

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